Samstag, 22. Dezember 2012

The Spirit of Christmas, Wilderness, Fake Boobs, Elite and Winning

Ein munteres HoHoHo an euch alle! Kurz vorm Weihnachtsfest möchte ich euch noch mit den neusten Informationen aus dem Tarheel State versorgen. Bevor ich es vergesse: An dieser Stelle ein riesengroßes Dankeschön an alle fleißigen Kartenschreiber! Ich habe mich sehr über jeden einzelnen Brief gefreut - das ganze Jahr über, aber vor allem zur Weihnachtszeit. Hier sind natürlich alle im Weihnachtsfieber. Nichts lieben die Amerikaner mehr, als ihre Holidays, und selbst da nimmt Weihnachten noch mal eine Sonderstellung ein. Es wird dekoriert, was das Zeug hält. Und da man in den USA auf alles noch ne Schippe draufhaut, wird nicht nur das Eigenheim mit viel Liebe zum Detail geschmückt (Weihnachten bei den Griswalds kommt mir nach Begutachtung meiner Nachbarschaft auch nicht mehr vollkommen übertrieben vor), nein, selbst vorm Auto wird kein Halt gemacht. 
Auch wir Aupairs freuen und selbstverständlich auf Weihnachten, doch für die meisten von uns kommt auch ein wenig Wehmut auf, weil man auf seine lieben Menschen und gewohnten Traditionen verzichten muss. Meine Freundinnen Janine, Henriikka, Gudrun und ich haben uns daher zu entschlossen, gemeinsam eine deutsch-finnisch-österreicherische Weihnachtsfeier zu zelebrieren, in der jeder seine Heimattraditionen pflegen und mit den anderen teilen kann. Es gab Raclette, Glühwein, Glögg (ein finnisches Getränk), finnisches Gebäck, österreicherischen Lebkuchen und internationale Weihnachtsmusik. 
Diesen Monat stand auch mein letztes reguläres Aupair-Treffen an. Auf meinen Wunsch haben wir das "Conservator's Center" besucht, eine Auffangstation für Raubkatzen, die aus schlechten Haltungsbedingungen gerettet wurde. Hier in North Carolina darf man sich z.B. einen Tiger in seinem Garten halten. Was manchmal nicht sooo gut ausgeht, sowohl für Halter als auch Tier.
Um einer frühzeitigen Gerontologisierung meinerseits vorzubeugen, musste ich mich mal wieder ein wenig hübsch machen, ausgehen und länger aufbleiben als Mitternacht. Anlaufstelle für unseren letzten Ausgehabend: Legends Gay Club. Es war ein lustiger kleiner Ausflug. Den Dragqueens wurden von uns für ihre Performance die Dollarnoten ins Dekolleté oder in den Slip (je nach Outfit) gesteckt. Und erstmals wurde mir ein Drink von einer Frau ausgegben.
Letztes Wochenende haben wir noch eine neue Bekanntschaft gemacht - mit dem überaus entzückenden Brody. Ich habe ihn über Couchsurfing kennengelernt und letzten Sonntag haben wir uns mit ihm in Carrboro (ein Hippiekaff bei Chapel Hill) auf einen Kaffee getroffen. Da Brody Alumni und jetzt Mitarbeiter an der University of North Carolina ist, hat er uns anschließend noch eine Insidertour an der Uni geboten. Wir haben auch in das ein oder andere Klassenzimmer geblickt. Achja, nochmal so ein Auslandssemesterchen am Institut für Journalism and Mass Communication wäre ja schon eine feine Sache. Aber leider fehlt mir dafür noch das nötige Kleingeld.
Obwohl ich ja ein gewisses Faible für die UNC habe, lasse ich mir dennoch Events der anderen Colleges nicht entgehen. Letzten Dienstag habe ich ein Studententicket für ein Basketballspiel der North Carolina State University abgestaubt. NC States "Wolfpack" hat gegen Stanford (Kalifornien) gespielt und gewonnen! Die Atmosphäre bei dem Spiel war der Wahnsinn, vor allem, wenn man bedenkt, dass es sich "nur" um Collegesport handelt.
Nunja, alles in allem habe ich wieder einige schöne Tage hier verlebt. Und mit einem weinenden Auge sehe ich meiner Abreise entgegen, wenn ich an alle diese Dinge denke. Aber gottseidank warten in Deutschland auch sehr viele schöne Sachen und liebe Menschen auf  mich! Ich wünsche euch allen ein frohes Weihnachtsfest und freue mich auf euch!
Diese Dekoration sehe ich hier täglich in tausendfacher Ausführung. Traurige Begleiterscheinung: Abgefallene und überfahrene Stoff-Geweihe auf der Straße.


Weihnachtsfeier mit Henriikka, Gudrun, Rebecca und Janine

Henriikka hat sich mit der Weihnachtsdekoration selbst übertroffen. Sie hat sogar extra einen kleinen Baum für uns gekauft, damit wir dort unsere Wichtelgeschenke (hier nennt man Wichtel "Secret Santa") drunter legen konnten.


Merry Christmas!



Der weiße Tiger Athur beim Target-Training

Mädelsabend im Legends: Tea (Bosnien), Janine (Tschörmänie), Heriikka (Finnland), Moi, Lea (Frankreich)  
   
Hooray for Boobies
Das Footballstadion der UNC. Hier passen 60.000 Zuschauer hinein und Studenten können umsonst zu allen Spielen gehen.

Haus einer Studentenverbindung

Zufällig sind wir mitten in die Entlassfeier der Class of 2012 geraten

Am Wahrzeischen der Uni, am Old Well, muss jeder graduate natürlich ein Foto schießen

Na, im Jahrbuch würde ich mich doch gut machen, oder?
Go, Wolfpack!!



ein entzückender Schnappschuss, den ich von Benjamin machen konnte, als er die Speisekarte im Restaurant angemalt hat.

Jasanifeje: Hier eure heißbegehrten Adventskalender :) Annabel gibt Benjamin gerade seine Schokolade aus dem tagesaktuellen Türchen, welches er immer mit einem lautstarken "Apel" (soll "Apfel" bedeutet und ist neben "Bana" seine allgemeingültige Bezeichnung für Essbares) einfordert. Danach folgt dann "mo" ("more")!

Sonntag, 9. Dezember 2012

Turkey Day and a whole lotta singin

Endlich kann ich wieder posten, yea! Meinem Laptop bekommt das amerikanische Leben offensichtlich nicht so gut. Nachdem ich ja schon kleinere Querelen bezüglich der Internetverbindung durchlebt hatte, gabs dann letzte Woche den Totalausfall. Ein Virus hat meinen geliebten Vaio lahmgelegt, nix ging mehr. Um 150$ für Reparaturkosten ärmer aber um alle meine Daten und einen funktionierenden Computer reicher sitze ich nun wieder hier und möchte euch von den Geschehnissen in letzter Zeit hier berichten.
Am 22. November wurde hier mit Thanksgiving (auch bekannt als Turkey day) die "Holiday Season" eingeläutet. Mit Sack und Pack ging es los zu den eine Stunde entfernt lebenden Großeltern nach Sanford. Den Tag über lief es dann in etwa so ab, wie ich das von Weihnachten kenne: Die Kinder spielen, schlafen, gucken Filme. Die Erwachsenen kochen und schwatzen. Um 6 Uhr abends war es dann soweit: Der Vogel kommt auf den Tisch und los geht das große Fressen. Nein, ein bißchen besinnlicher war es dann doch. Wir haben uns alle (Meine Gasteltern, Annabel, Carina, Benjamin, die Großeltern und deren zweiter Sohn und ich) an die festlich gedeckte Tafel gesetzt und das allererste Mal seit ich hier in Amerika bin wurde auch gebetet. Dafür, dass die Vorbereitung des Festessens mehrere Tage gedauert hat, war das eigentliche Essen dann ernüchternd schnell vorbei. Zackzackzack, jedes Gericht probiert. Nach 35 Minuten war der Spaß vorbei. Nix mit German Gemütlichkeit also. Es ist in den USA auch durchaus üblich (auch im Restaurant), dass der Tisch schon abgeräumt wird, obwohl noch nicht alle mit dem Essen fertig sind (in diesem Fall, wie sollte es anders sein, ich. Und mein Hostdad Blair). Naja, nach einer Verschnaufpause gabs dann noch ein "kleines" Dessert. Alles in allem war es aber trotzdem ein sehr schöner Tag. Die Großeltern sind so richtige Bilderbuch Grandma und Grandpa und ich habe es genossen, mal Zeit mit der ganzen Familie zusammen zu verbringen. Für mich war es eine willkommene Abwechslung, nicht die dritte Erwachsene zu sein, sondern eher das vierte Kind und auch wenig von der Oma betüddelt zu werden :)

Grandpa und Grandma Focke sind stolze Demokraten. Alle Wahlpins werden da in einem extra Rahmen zur Schau gestellt.

Die Festtafel

Der Truthahn

Grandpa Focke zerlegt den Vogel. Hier nennt man das "to carve the turkey".

Ja, auch die Geschirrtücher müssen thematisch zum Feiertag passen. Grandma Focke hatte übrigens auch einen Thanksgiving Rollkragenpullover an.

Alle versammelt (außer Becca, die schlauerweise das Foto gemacht hat...)

Mein Menü (ich habe selbstverständlich ALLES probiert): Truthahn mit Soße, ein Brötchen, Füllung, Cranberry Gelee, Krautsalat, Corn Casserole (Maisauflauf), Sweet Potato Casserole (Süßkartoffelauflauf), grüne Bohnen, Sinful Salad (keine Ahnung, was das ist, das ist das pinke Glibberzeug vorne links auf dem Teller, es ist süß und schmeckt wie Erdbeermarmelade mit Schmand oder so).

Der Nachtisch: ein Pumpkin Pie und eine Apple Pie

Yummy (amerikanisches Kinderenglisch für "lecker")

Kurz vor Thanksgiving hatten Carina und ich noch einen spaßigen Tag im Kindermuseum
In der letzten Woche standen dann noch einige andere Sachen an. Erst waren wir zusammen im neuen Bondfilm und am Wochenende sind wir nach Charlotte gefahren, um dort auf ein Konzert meiner heißbegehrten Lieblingsgruppe UNC Clefhangers zu gehen. Nach Charlotte fährt man ca. 2,5 Stunden. Und das lohnt sich echt. Ich bereue es ein wenig, dass ich vorher noch nie bis nach Charlotte gefahren bin. Es ist die größte Stadt in North Carolina (obwohl Raleigh die Hauptstadt ist) und ein großes Bankenzentrum im Süden. Das heißt, da ist endlich mal ein bißchen mehr los dort. Es gibt sogar ein Ikea und das will schon was heißen. Charlotte hat mich jedenfalls positiv überrascht und das Konzert am Abend war der gelungene Abschluss für einen tollen Tag.

Irgendwie muss man sich die Wartezeit bis zum Film ja vertreiben.

Weihnachtsstimmung in Charlotte: Emi, Gudrun, Annika und Ich


Zu meiner Begeisterung gibt es ein Vapiano Restaurant in Charlotte - dort haben wir dann natürlich auch zu Abend gegegssen :)

Im Knight Theater heißt es dann warten aufs Konzert.

Meet and Greet mit einem Teil der Clefhangers im Anschluss

So langsam komme auch ich in Weihnachtsstimmung. besonders dazu beigetragen hat ein Päckchen von zu Hause mit diesem tollen Adventskalender
Carina hatte in ihrer Schule eine kleine Aufführung anlässlich Thanksgiving. Hier singt sie gerade "I'm glad I'm not a turkey on Thanksgiving Day". Enjoy!

Samstag, 17. November 2012

And if you don't know by now, I'm talking about Chi town


Veteran's Day machte es mir möglich - meinen heißersehnten Trip nach Chicago. Aufgrund des Feiertags letzten Montag konnte ich ein verlängertes Wochenende in Chi town verbringen. Dort habe ich mich mit Kristin, Anna und Jenny getroffen, die schon Freitag morgen angereist waren. Dank Jennys Mutter, die bei Hilton arbeitet, haben wir einen Top-Hotel-Deal ergattert und waren im schönen Hampton Inn untergebracht. Richtig los ging es dann Samstag morgen. Da die Mädels Sonntag abend schon wieder abreisen mussten, bin ich für eine Nacht ins Hostel umgezogen, was zwar vom Komfort her nicht mit nem schnieken Hotel mithalten konnte, aber dafür mit der Location alles wett gemacht hat. Wicker Park ist ein toller Teil der Stadt, überall sind kleine Lädchen, Cafes, Restaurants, Bars, Clubs und viele junge Leute sind dort unterwegs. Ich würde sagen, es ist vielleicht das Ehrenfeld Chicagos, nur hübscher :) Naja, Chicago hat es mir natürlich total angetan - wie ihr vielleicht schon gemerkt habt. Die einzige andere Großstadt, mit der ich Chicago vergleichen könnte, ist NYC. Aber irgendwie ist Chicago auch ganz anders. Zunächst einmal ist die Stadt natürlich kleiner. Und was mir so gut gefallen hat, ist, dass Chicago nicht so touristisch ist. Es ist nicht an jeder Ecke ein Souvenirladen zu finden und irgendwie hat man das Gefühl, dass hier mehr 'normale' Leute leben. Samstag und Sonntag abend haben wir uns dann auch noch mit ein paar Locals getroffen, die ich zuvor über Couchsurfing kontaktiert hatte und die uns dann Chicago bei Nacht etwas näher gebracht haben. Das Wochenende war der perfekte Mix aus Sightseeing, Shopping, Kultur (ja, im Museum war ich auch ;) ), Mädelsausflug, Nachtleben und Großstadtflair.



Eine kulinarische Spezialität Chicagos ist die deep dish pizza. Sie ist ganz anders, als die Pizza, die man sonst so kennt. Sie wird in einer tiefen Form gebacken, hat einen knusprigen Teig und ist sehr dick belegt. Eigentlich schmeckt sie mehr wie eine Quiche. Hier in der "Pizzeria Uno" soll sie angeblich erfunden worden sein (mehrer Pizzerien streiten sich darum). Wir haben unsere Pizza nach nur einer Stunde auf einen Platz warten bekommen. Hat sich gelohnt!



Macy's auf der State Street (9 Etagen!)
Nächste Station war die Besteigung des Willis Tower (höchstes Gebäude in den USA). Hier im Vergleich: der Kölner Dom :)

Aussicht auf Chicago vom Skydeck

Everyone deserves the change to fly - Jenny, Anna, Kristin und ich auf dem Glasbalkon 

Dies musste doch mal dokumentiert werden. Weil wir noch über die Hälfte unserer Pizza übrig hatten (und diese natürlich nicht wegschmeißen wollten) wurde der blöde Karton schön durch die Sicherheitskontrolle in den 103. Stock mit nach oben genommen. Wir haben die Pizza übrigens nicht mehr ganz aufgegessen.


Spaß im Willis Tower Gift Shop. (Wer kauft sich sowas?)
Chicago Sign bei Nacht
Eine weitere kulinarische Spezialität Chicagos: Caramel and Cheese Popcorn. Dieser Mix schmeckt tatsächlich.

Sonntag dann endlich das Touri-Highlight: Millenium Park

The Cloud Gate aka The Bean. Von uns auch liebevoll The Bee genannt.




Montags bin ich dann mit meiner entzückenden kanadischen Hostel-Zimmergenossin Delilah nochmal zum Sightseeing losgezogen. Hier zu sehen ist das Navy Pier, so eine Art Vergnügungsmeile (in etwa so wie Cony Island).


Spaß mit der Bean, die 2. Man kann aber auch nicht genug kriegen!

Tschüß, Chicago. War schön mit dir.