Da ich momentan noch mit meiner Vorgängerin Josi zusammen bei Familie Focke lebe, konnten wir uns diese Woche die Arbeit etwas aufteilen – super, denn so hatte ich gestern Nachmittag frei und habe ein paar wundervolle Stunden verbringen können!
Ich habe mich mit einem anderen AuPair aus der Gegend, Hilke, verabredet. Wir waren Frozen Yoghurt essen und in der Mall shoppen. Als Hilke mich fragte, ob ich sie zu einer Make-up-Beratung, für die sie abends einen Termin hatte, begleiten wolle, sagte ich spontan zu. Wir dachten, Hilke wird ein halbes Stündchen lang beraten, was so zu ihrem Typ passt und dann machen wir wieder den Abflug und können was essen gehen. Als wir bei Debbie (der Make-up-Beraterin mittleren Alters) zu Hause ankamen, stellte sich alles ein bißchen anders heraus. Debbie arbeitet für einen Kosmetik-Hersteller namens Mary Kay (Hab ich vorher noch nie was von gehört, aber gibt es auch in Deutschland). Im Grunde ist sie so etwas, wie eine Avon-Beraterin. Ja, besonders erfolgreiche „Mary Kay Consultants“ fahren sogar mit einem pinken Cadillac von Tür zu Tür! Außer uns hatte Debbie noch ihre Freundin Renée und deren Töchter Kaitlyn und Kayla samt 2 Monate altem Baby Leyla eingeladen. Man muss sich den Abend wie eine Art Tupperparty vorstellen, nur mit Schminke anstatt Tupperware. Anfangs war ich noch etwas skeptisch. Debbie stellte uns zunächst das Lebensmotto der Gründerin von Mary Kay (Überraschung, sie hieß Mary Kay) vor: First comes God, second comes family and then comes Mary Kay. Ich dachte: „Na toll, wo bin ich denn hier gelandet? Und wahrscheinlich muss man auch noch irgendeinen völlig überteuerten Kram kaufen, damit man das Haus wieder verlassen darf!“ Aber der Abend sollte herrlich werden! Eigentlich haben wir den ganzen Abend verschiedene Produkte ausprobiert und haben uns geschminkt. Ich habe mir noch nie so viel auf einmal ins Gesicht geschmiert. Bis ich überhaupt anfangen konnte, Make-up aufzulegen, musste ich erst mein Gesicht anfeuchten, dann mit einem Zeug reinigen, dann eine andere Creme auftragen, anschließend noch eine extra Augencreme draufschmieren, meine Lippen peelen, dann eine Lippencreme auftragen, dann eine „Foundation“ auftragen, dann meine Hände peelen und eine Handcreme auftragen. Es gab Getränke und von der Hausherrin selbstgemachten Dip mit Snacks. Die anderen Ladys waren total interessiert an Hilke und mir und haben uns über unser Leben und Deutschland ausgefragt. Wir haben im Gegenzug waschechte Tar Heels kennengelernt. Renées Mann (Police-Officer), Debbies erwachsener Sohn und Debbies Yorkshire-Terrier „Princess Yasmin“ und „Prince Aladdin“ waren auch da und haben uns später noch Gesellschaft geleistet. Kayla und ihr Dad, die zusammen im Kirchenchor singen, haben uns Lieder vorgesungen. Ich hatte wirklich Gänsehaut, so schön war das! Die jüngere Tochter Kaitlyn hat vermutlich noch nie einen Menschen getroffen, der nicht Amerikaner ist und hat uns mit Fragen wie „So, what´s your language called? Germish?“ erheitert. Sie war aber sehr süß und hat sich bemüht, Smalltalk mit uns zu halten. Das Ergebnis davon war dann z.B. die völlig aus dem Zusammenhang gerissene Frage „So, do you like Twilight?“
Generell fühle ich mich hier manchmal als totaler Exot. Im Gegensatz zu größeren Städten haben die Menschen hier nicht so viel Kontakt mit Nicht-Amerikanern (außer den Mexikanern, die die Gärten der Reichen machen), geschweige denn Europäern. Es ist aber immer sehr nett, denn die Leute sind nie unfreundlich und immer daran interessiert, was einen hier her verschlagen hat.
Es war ein toller Abend, ich habe mich gefühlt, wie bei Bekannten zu Hause zu Besuch. Danke Hilke, dass du mich mitgenommen hast!